Digitale Manufaktur


Pressebericht digit!, Ausgabe 01/2010, Rubrik: Praxis

Bei der Kölner LUP AG ist der digitale Workflow Mittel zum Zweck und ordnet sich einem Ziel unter: der bestmöglichen, originalgetreuen Abbildung des Werks.


Der lateinische Begriff Faksimile, zu deutsch „Mache es ähnlich“, erlebt mit den Möglichkeiten der präzisen Digitalisierung, ausgefeilter Farbraumberechnungen und feinster Drucktechnik eine Renaissance. Die klassischen Faksimile-Verfahren wie der Lichtdruck, weiß Elmar Lutz, einer der Gründer der LUP AG, sind praktisch vom Markt verschwunden – „zu aufwändig, zu teuer” – der Bedarf für hochwertige Reproduktionen ist hingegen nach wie vor da. LUP besetzt mit seinem Angebot eine Nische. Es gibt, so Elmar Lutz, kein anderes Unternehmen in Deutschland, das eine vergleichbare Expertise im Bereich der digitalen Kunstdruckreproduktion vorweisen kann.

„Wir betreiben digitale Reproduktion mit Leidenschaft – und mit den besten zur Verfügung stehenden Mitteln“, reklamiert Lutz für sein Unternehmen, das 2003 gegründet wurde. Der studierte Sportler kam auf Umwegen zur Druckkunst, nämlich über die klassische Druckvorstufe. Noch heute macht die LUP AG zwei Drittel ihres Umsatzes mit konventioneller Litho-Dienstleistung. Hier liegen die Wurzeln für das Know-how im Fine-Art-Printing – ein Digitalproof für den Auflagendruck ist im Prinzip nichts anderes als die Simulation des Originals – ein Faksimile in umgekehrter Reihenfolge.

Die 450 Quadratmeter großen Geschäftsräume der LUP AG unweit der Kölner Altstadt dienten bis vor kurzem der Kölner Kunsthochschule für Medien als Bibliothek. Seit dem Einzug der LUP AG ist dort ein fein abgestimmtes Instrumentarium versammelt, um Werke der bildenden Kunst, aber auch Fotografien mit höchstmöglicher Werktreue und Haltbarkeit zu reproduzieren bzw. zu drucken. Die Kundschaft für Faksimile- und Editionsdrucke made by LUP AG sind dabei beispielsweise Museen, Sammler, Galerien und Künstler.


Qualität hat ihren Preis
Auf der Staffelei im Eingangsbereich steht eine Ansicht des Doms aus der Edition
„Historisches Köln”, die insgesamt 16 Fotografien aus den Jahren 1920–1930 umfasst. Ein solcher Druck in der unlimitierten Standardedition kostet im Format 40 cm x 54 cm ungerahmt 290,- Euro. Die auf 300 Exemplare limitierte Premium-Edition im größeren Format 79 x 102 liegt gerahmt bei 590,- Euro. Massenware ist nicht die Sache von Elmar Lutz und seinem 14 Mitarbeiter umfassenden Team – und auch nicht das Ziel. Entsprechend kritisch betrachtet er Konzepte, die auf dem Wege der Online-Vermarktung Qualität für kleines Geld versprechen. „Wir machen uns als Dienstleister unglaubwürdig, wenn wir einerseits einen mit dem Kunden ausgearbeiteten Fine-Art-Print für 400,- Euro in der Erstkopie anbieten und ein Produkt mit einem ähnlichen Qualitätsversprechen online für einen Bruchteil verkaufen.”

Dass das Fine-Art-Printing mittlerweile auch beim Fotoamateur angekommen ist, ist für ihn nachvollziehbar. „Fast jedes Bild sieht hinter Acrylglas oder auf Alu-Dibond kaschiert wertig aus. Die Leute gucken sich die Diasecs eines Andreas Gursky im Museum an und wollen diesen Look für ihre eigenen Bilder.” Der Dienstleistungsmarkt hat sich aus seiner Sicht klar aufgeteilt: „Achtzig Prozent aller Prints werden mittlerweile von Fine-Art-Portalen produziert, die verbleibenden zwanzig Prozent verteilen sich auf Manufakturen à la LUP.“ Ein noch viel größerer Anteil wird in Eigenproduktion hergestellt – von Profis und Amateuren gleichermaßen.

Anders als beim Faksimile-Druck ist ein fotografischer Fine-Art-Print die individuelle Ausarbeitung einer digitalen Vorlage, ob digital fotografiert oder gescannt. Wer mit LUP produziert, ist meist sogar persönlich dabei, wenn sein Druck ausgearbeitet wird. Denn anders als bei einer strikten Reproduktion ist in der Fotografie auch Farbe oder Tonwert Geschmackssache.


Qualitätsstandard fürFine-Art-Printing
Produziert wird auf vier Drucksystemen von Epson, die alle gängigen Druckbreiten von 42 cm (Epson Stylus Pro 4880) bis 162 cm (Epson Stylus Pro 11880) abdecken, unter Verwendung der Epson Ultrachrome K3 Tinten. Bei den Medien gilt die Devise: Weniger ist mehr. Verwendet werden fast ausschließlich Materialien von Hahnemühle, Ilford, Canson und Crane – selbstverständlich existiert für jedes Papier mit jedem Drucker ein eigenes ICC-Profil.

Der Produktionsraum im Souterrain ist voll klimatisiert; unabhängig von Schwankungen der Lufttemperatur und -feuchtigkeit kann so stets unter gleichen Bedingungen produziert werden. Das ist eine wesentliche Voraussetzung für eine konsistente Qualität bei der Produktion mit den sensiblen Inkjet-Medien – und auch die Originale können dort so schonend wie möglich behandelt werden.

Das von Epson vergebene Digigraphie-Siegel bestätigt, dass die Qualitätsstandards des Herstellers bei der Produktion von Fine-Art-Prints von der LUP AG eingehalten werden. Elmar Lutz reicht das nicht, denn „mittlerweile werben zu viele mit dem Logo“. Um den hohen Qualitätsstandard seiner Firma besser kenntlich zu machen, sucht er nach neuen Wegen, einen Standard für Reproduktion und Fine-Art-Druck zu formulieren. Gemeinsam mit seinem Kollegen Andreas Jankowsky von Jam Fineartprint in Berlin und anderen ausgewählten Experten der Fine-Art-Szene tüftelt er an einem Qualitätsstandard für den digitalen Kunstdruck. Das erweist sich als schwieriges Unterfangen, zumal, so Lutz, „der eigene extrem hohe betriebene Aufwand die Messlatte so hoch legen würde, dass nur die allerwenigsten den Standard erfüllen können und wollen.” Die Messlatte, das ist die Gesamtheit der verwendeten Produktionsmittel. Dazu gehören die Maschinen und die Papiere ebenso wie die Güte der Farbmanagementprofile und natürlich die Qualität der Digitalisierung.

Drucken unter definierten Bedingungen
Auch an diesem ersten und entscheidenden Punkt des Workflows wird der Qualitätsanspruch der Kölner Fine-Artisten deutlich. Die Scanner-Einheit Cruse ST 220 ist die avancierteste Lösung im Markt, um Vorlagen aller Art – künstlerische Originale mit und ohne Rahmen, Textilien, Teppiche, Dekore, Werkzeuge oder Steinzeug – in Highend-Qualität zu digitalisieren. Die Besonderheit des System, das wie eine klassische Reprokamera mit Scaneinheit aufgebaut ist, liegt unter anderem in der Möglichkeit, die Plastizität einer Vorlage mit Hilfe der Beleuchtungseinrichtung mehr oder weniger deutlich zu erfassen. Spezielle Lampen mit Kaltlichtquellen gewährleisten dabei eine minimale Belastung wertvoller historischer Vorlagen. Die verschiedenen Beleuchtungsarten lassen die Struktur von Material und Farben mehr oder weniger deutlich hervortreten. Der massive Aufbau des Systems und der elektrofeinmotorisch bewegte Vorlagenträger unter dem Scankopf gewährleisten Vibrationsfreiheit, während der Scankopf die bis zu 250 cm x 120 cm großen Vorlagen abtastet. Bei einer Auflösung von bis zu 14.000 x 25.600 Pixel entstehen Dateigrößen von 2,4 Gigabyte bei 16 Bit Farbtiefe.

Alternativ zum fest installierten Cruse Scanner nutzt LUP das „Production“ Scanback von Anagramm, das unbegrenzte Vorlagengrößen erlaubt und auch für Werke, die vor Ort in Museen oder Galerien reproduziert werden, zum Einsatz kommt.

Für fotografische Vorlagen stehen die Flachbett- und Trommelscanner von Linotype Hell, Heidelberg Topas und der Hasselblad Flextight X5 zur Verfügung. Selbstverständlich sind alle Scanner vollständig in das LUPFarbmanagement
integriert.


Metamerie im Blick
Die Berücksichtigung von Metamerie, also der Abhängigkeit der Farbwahrnehmung
von der Beleuchtung, ist bei jeder Art von Kunstreproduktion wichtig. Das Kunstwerk soll schließlich unter einer gegebenen Beleuchtungssituation optimal aussehen. Das Know-how um Metamerie und Material ist neben der exzellenten Ausstattung ein Faktor der LUP-Formel. So stellt Elmar Lutz fest, dass selbst hochwertige Medien namhafter Hersteller Abweichungen aufweisen, die immer wieder eine Neuprofilierung erforderlich machen. Permanente Qualitätskontrolle ist das LUP-Credo – und gleichzeitig auch Lutz‘ Empfehlung für Fotografen, die sich die faszinierende Welt des Fine-Art-Printing selbst erarbeiten möchten. „Wer Originaltinten und -medien samt der dazugehörigen Farbprofile sowie den Treiber des Druckerherstellers verwendet, hat per se das Rüstzeug, um ein gutes Ergebnis zu erzielen”, rät der Repro-Profi. Für Fotos, die einfach gut aussehen sollen, ist diese Qualität in den meisten Fällen völlig ausreichend, bescheinigt Lutz. Bei Drucken, die musealen Qualitätskriterien gerecht werden wollen, liegt die Messlatte deutlich höher. Und wird eben nur von den wenigsten Dienstleistern zuverlässig übersprungen – zum Beispiel von LUP.

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