Bildorientierter Digitaldruck

Fachbericht von Christian Ahrens in der Publishing Praxis 9-10/2008

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Mediendienstleister und grafische Betriebe stehen in einem harten Konkurrenzkampf und ihre Dienstleistungen unterliegeneinem starken Preisdruck. Viele Betriebe wissen ein Lied davon zu singen, nicht wenige führen einen stetigen Überlebenskampf. Um sich dennoch erfolgreich im Markt zu behaupten, sind Spezialisierung und das Anbieten von Highend-Qualität erfolgversprechende Strategien. Wir stellen Unternehmen vor, die diesen Weg mit bildorientiertem Digitaldruck gegangen sind. Fotografen und Künstler haben heute alle Möglichkeiten der Bilderzeugung und -gestaltung. Geht es allerdings an die digitalgedruckte Bildausgabe, greifen sie oft und gerne auf die Erfahrungen von Mediendienstleistern zurück. Auch Galerien, Museen und Messen nutzen für ihre anspruchsvolle Kundschaft spezialisiertes Know-how von Mediendienstleistern mit dem jeweiligen Equipment zum Druck.

LUP AG
Spezialisierung und Highend-Qualität, davon ist LUP AG Vorstand Elmar Lutz überzeugt, bieten Mediendienstleistern eine gute Grundlage für wirtschaftlichen Erfolg. »Bei gängigen grafischen Dienstleistungen sind immer noch sinkende Honorare zu beobachten«, so Lutz. »Dem kann man mit spezialisierten Dienstleistungen entgegenwirken«. Folgerichtig befasst sich das Hürther Unternehmen schwerpunktmäßig mit einem besonders sensiblen Bereich: der Kunst und Kunstreproduktion. Dabei setzt die LUP AG technologisch auf die Scanner des Herstellers Cruse,von denen das Modell CS 220 ST im Einsatz ist und der das berührungslose Abtasten von einteiligen Vorlagen bis zu einer Größe von 120 x 250 cm bei 300 dpi Auflösung ermöglicht. Bei mehrteiligen Scans sind sogar Formate von 250 x 400 cm realisierbar. Normlichtarbeitsplätze, aktuelle EDV-Technik und ein Portfolio an Epson-Großformatdruckern komplettieren die technische Ausstattung. »Wer über diese Geräte verfügt und den Workflow grundsätzlich beherrscht, kann sehr hochwertige Scans und Drucke erzeugen, so Elmar Lutz. »Aber das ist für die Ansprüche von Museen, Künstlern und Sammlern beiweitem nicht genug«. Aus diesem Grund hat das Unternehmen viel Aufwand in die Verbesserung der Produktionskette gesteckt. So hat man die Leistung des Cruse-Scanners CS 220 ST nochmals deutlich – durch Modifikationen am Gerät selbst – verbessert. Hier wurde die Filter- und Lichttechnik durch eigene Abstimmung beziehungsweise durch alternative Technik ersetzt und in den Workflow integriert. Spitzenqualität: »Knackpunkt im herkömmlichen Farbmanagement sind die industriellen Farbcharts wie zum Beispiel die von Colorchecker SG«, so Lutz. »Sie sind darauf abgestimmt, möglichst universell verwendbar zu sein«. Damit sind diese Charts jedoch wenig geeignet, um zum Beispiel die in der impressionistischen Malerei verwendeten Pigmente metamerisch zu berücksichtigen. Genau da setzt nun ein gemeinsam mit der Fachhochschule Köln und dem Wallraff-Richartz-Museum durchgeführtes Forschungsprojekt an: Es soll ein spezielles Farbchart entwickelt werden, das die Farbeigenschaften des Impressionismus wesentlich besser erfasst. »Innerhalb von einem Jahr«, schätzt Elmar Lutz, »werden wir ein Farbchart entwickelt haben, das die Scan-Qualität eines Impressionisten-Gemäldes bereits beim Rohscan sehr nach vorne bringt«. On location: Nicht immer sind Scannen und Bildbearbeitung hausintern möglich. Oft kommt es vor, dass besonders kostbare Einzelstücke das Museum nicht verlassen dürfen. Das trifft im Jahr 2006 beim Auftrag zu, rund 8.000 Blatt der grafischen Sammlung des Kölner Wallraff-Richartz-Museums zu digitalisieren. Um diesen gewaltigen Auftrag zu refinanzieren, produziert die LUP AG außerdem eine auf 500 Exemplare limitierte Auflage des Aquarells »Und fertig wird er doch«, ein Kunstwerk von Vincenz Statz aus dem Jahr 1861. Vor Ort sind nicht nur die 8.000 Rohscans zu produzieren, sondern außerdem auch das Feintuning und der Referenzdruck für die Reproduktion des Aquarells durchzuführen. Das Vorgehen: »Wir haben hierfür die komplette Produktionskette im Museum aufgebaut« berichtet Elmar Lutz, »der transportable Synchrontischscanner Cruse CS 110 SL erzeugt die Rohscans, ein kalibrierter Drucker, zu diesem Zeitpunkt noch ein Epson Stylus Pro 4800, bestückt mit Original-Epson-K3-Tinten, die Drucke«. Bei der Produktion des Auflagendrucks hat die LUP AG großen Aufwand betrieben. Um das Ziel mit bestmöglicher Qualität zu erreichen, hat man den Ort, an dem das Original hängt, zunächst farbsensorisch vermessen und die exakte Farbtemperatur des Ausstellungslichts ermittelt. Der visuelle Eindruck, der beim Betrachten vor Ort entsteht, soll im Druck exakt wiedergegeben werden. Daher unterzieht man den fertigen Rohscan, als unkomprimierte Tiff-Datei (rund 600 Megabyte), einer aufwändigen Farbkorrektur in Photoshop. Gut 25 Stunden haben die LUP-Experten daran gearbeitet. Den Epson-Drucker profiliert man, wie alle Drucker des Unternehmens, vorheraufwändig, wobei Eye-OnePro- und Spectroscan-Messgeräte zum Einsatz kommen. Bei jeder Profilierung macht man drei Messdurchläufe und mittelt deren Ergebnisse mathematisch. Jedes Profil wird zu dem bei exakt derselben Druckauflösung und -richtung erstellt, wie sie in der Produktion des fertigen Ergebnisses zur Anwendung kommt. Bis zu 20 Testdrucke – vollständig oder in Streifen – mit dem vor Ort aufgebauten Epson Stylus Pro 4800 sind nötig, bis die Drucke dem Original soweit gleichen, dass der Prozess als abgeschlossen betrachtet wird. Dabei vergleicht man die auf dem Drucker ausgegebenen Ergebnisse ständig mit dem Original im Museum vor Ort. Der Aufwand hat sich gerechnet. Von dem auf 310 Gramm schwerem Hahnemühle Büttenpapier »German Etching« gedruckten Faksimile haben bereits 470 der auf 500 Exemplare limitierten Auflage einen Käufer. Werden heute Exemplare bestellt, druckt man diese übrigens auf exakt der gleichen Maschine, die damals zum Einsatz kam, obwohl die LUP AG längst über die Nachfolgedrucker Epson Stylus Pro 4880, 9880 und 11880 verfügt. »Wir tun dies, um weitestgehende Konstanz zu sichern«, so Elmar Lutz. Bei jedem aktuellen Druck wird zu dem das Ergebnis visuell mit einem Referenzdruck aus den ersten Serienverglichen und auch anhand eines mitgedruckten Farbkeils farbsensorisch geprüft.

Digigraphie
Neu im Portfolio: Immer auf der Suche nach Erweiterungen des Dienstleistungsangebots sondiert die LUP AG permanent den Markt. Seit Neuestem gehört das Unternehmen auch zu den wenigen Betrieben, die sich als Digigraphie-zertifizierter Dienstleister aufstellen. »Digigraphie ist ein begrüßenswerter Vorstoß von Epson, Künstlern und Galeristen ein Wertsiegel zu geben, um hochwertige und auflagen-kontrollierte Kunstwerke in den Markt zu bringen«, so Elmar Lutz. Ein Digigraphie-zertifizierter Druck ist ein auf einem Profi-Epson-Drucker hergestellter Digitaldruck, der auf zertifizierten Papieren erfolgt und mit Original Epson-Ultrachrompigmenttinten bedruckt ist. Weiterhin gehört ein Zertifikat sowie eine Prägung im Papierdazu. Insbesondere die Kombination aus Papier und Tintenqualität bedingt die Haltbarkeit und Farbbeständigkeit des Drucks, Epson spricht von 60 bis 100 Jahren unter Galeriebedingungen.



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